|
Am Auge eine Ableitung- Baumschnitt ist auch Naturschutz!
von Christian Harraß -„Hat er nicht eine schöne Krone?“ Nicht einen König meint Ignaz Schmitz von der Bürgerinitiative für den Erhalt des Naturschutzgebietes Siebengebirge (BNS), sondern den prachtvollen alten Apfelbaum auf dem Schnitzenbusch, oberhalb von Oberdollendorf. Zusammen mit einigen Naturfreunden des Vereins steht heute der gekonnte Obstbaumschnitt auf dem Programm. Mit Schleppern und Hängern haben sie professionelles Pflegegerät durch die schmalen Gassen den Hang hinauf geschafft, mit dem nun den
knorrigen und jungen Obstbäumen die nötige Pflege zukommt. Eine rechtzeitige Erziehung ist die beste Voraussetzung für ein gesundes Wachstum und guten Fruchtertrag. Ein starker Mitteltrieb ist Voraussetzung für eine gute Statik. Damit die Sonne in die Krone scheinen kann, wird jeder Trieb, der zur Mitte hin strebt, mit scharfem Schnitt entfernt. Weit ausladende Äste würden unter der
Fruchtlast schnell zusammenbrechen und bekommen an einem geeigneten „Auge“ eine „Ableitung“ zur Seite. Viel Fachwissen für jemand, der erstmalig hier bei herbstlich frischem Wetter mit klammen Fingern die Baumschere führt, aber Ignaz Schmitz ist ein kompetenter Lehrer: wieder und wieder zeigt er die Stellen an den dünnen oder starken Ästen, die Haltung der Werkzeuge oder welche Sicherheitsmaßnahmen beim Klettern auf den langen Leitern zu beachten sind. Bei der Arbeitspause erzählen die Mitglieder von Ihrem Einsatz auf den verschiedenen Flächen im
Siebengebirge. Etwa am Dichberg oder dem Zengeling bei den Dollendorfer Weinbergen, den aufgelassenen Weinbergen mit dem kulturhistorischen Winzerweg am Kellerberg unterhalb des ehemaligen Jugendhofes Rheinland oder eben hier am Schnitzenbusch. Die alten Streuobstwiesen sind ein wichtiger ökologischer Bestandteil des Siebengebirges und bedürfen einer ganzjährigen Pflege. Die Wiese wird regelmäßig mit dem hanggeeigneten Balkenmäher bearbeitet, bevor eine Schafherde den Rest besorgt. So wird der Bewuchs kurz gehalten und im Herbst findet dann unter reger Beteiligung der fast 200 Mitglieder die Apfelernte statt. Die alten Sorten wie Ananasrenetten, Bohnäpfel, Boscop und Cox Orange oder Zuccalmagliorenette ergeben einen wundervollen Apfelsaft, der von der Biologischen Station Bonn-Rhein-Sieg demnächst unter dem Namen „ Dicke Boom“ vermarktet werden soll. Man kann gespannt sein.
Der Verein ist für neue Interssenten stets offen, die aktuellen Aktivitäten können auf der Internetseite http://naturschutz-Siebengebirge.de eingesehen werden.
|