Bergregion aktuell

  www.53639.com

Chris Harraß

   Zur Hauptseite von
Königswinter-Bergregion

 Berichte zu interessanten Themen rund um den Ölberg Mai 2008 Redaktion:Christian Harraß                   Mail an die Redaktion

Informationen zum geplanten Nationalpark Siebengebirge

Kleinod von europäischer Bedeutung oder Industriebrache?

Bürgerversammlung zum Nationalpark in Königswinter klärte einige Fragen, es bleibt jedoch spannend

Klarheit sollte sie bringen, die Bürgeranhörung zum geplanten Nationalpark Siebengebirge am 6.9.07 in der CJD-Aula in Königswinter. Die vielen Fragen sind trotzdem geblieben. Anschaulich aber auch langatmig erklärte Dr. Brocksieper von der LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW) die Vorteile für die Natur in diesem Areal. Genau nur um diese solle es beim "Projekt Nationalpark" gehen. Der Mensch wird als Verwalter und Nutzer geduldet, wenn er sich an die Spielregeln hält.
Das Podium mit Vertretern der Stadt Königswinter, dem Rhein Sieg- Kreis, der Forstbehörden, der Lanuv und des VVS versuchte, die Argumente für einen Nationalpark zu präsentieren und die Einwände und Bedenken dagegen entgegen zu nehmen, um sie dann in weiteren Gremien später zu beraten.
Das Gebiet sei mit knapp 4000 ha ausreichend groß für einen Nationalpark, obwohl das Gesetz eher bis zu 10.000 ha vorsieht, wenn, ja wenn nicht gewichtige Gründe wie die Einmaligkeit von europäischem Belang eine Ausnahme zulassen würden. Genau das sei hier gegeben. Dem wiedersprachen erwartungsgemäß einige Bürger, die ihre Bewegungsfreiheit noch mehr als das jetzt schon manchmal der Fall sei, eingeengt sehen. Die Einmaligkeit der (wie vom Gesetz geforderten unberührten ) Natur wurde sogar in Frage gestellt und das Siebengebirge schlichtweg als "malträtierte, geschundene Industriebrache" dargestellt, was nicht ohne Heiterkeit vom Publikum zur Kenntnis genommen wurde.
Bürgerversammlung Königswinter

Keine weitere Beeinträchtigung der Besucher? Schöner Wunsch oder umsetzbare Realität? Die Planer des Naturparkes        Fotos: Chris Harraß


Nach Darstellung der LANUV wird das Areal  in verschiedene Zonen aufgeteilt werden, denen bestimmte Pflegeintensitäten zugeordnet werden. So sollen Altwaldparzellen zu unangetastetem Urwald werden, bestimmte Offenlandzonen erfahren künftig intensive Pflegemaßnahmen, um z. B. einer Verbuschung vorzubeugen. Besondere Zuwendung werden die Stellen mit besonderem Geotopschutz , also die aufgelassenen Steinbrüche (oder je nach Sichtweise Industriebrachen) erfahren, damit sie nicht unsichtbar im Wald verschwinden und die Rückzugsgebiete der hier lebenden Mauereidechse erhalten bleiben. In diesem Zusammenhang mahnte ein Bürger die erforderliche Nachhaltigkeit des Naturschutzes des Parkes an, die schon unsere Vorfahren bei der Gründung des Naturparkes Siebengebirge 1836 gesehen haben. Hätten sie damals nicht der regen Bergbautätigkeit in Siebengebirge Einhalt geboten, säßen alle Beteiligten heute nicht hier, das Siebengebirge wäre in kleinen Brocken auf den Straßen Europas, den Deichen der Küste und Flüsse und den Kathedralen zu finden. Hier jedenfalls nicht mehr. Die neu entstandenen biologischen Verhältnisse auf dieser Kulturlandschaft gelte es nun für unsere Nachwelt zu erhalten. Soweit bestand Übereinstimmung bei Gegnern wie Befürwortern.
Die Umsetzung erfordert nun aber neben starkem Engagement  auch eine Menge Geld. Zukünftig ist es fraglich, ob das Land NRW oder die beteiligten Kommunen Bonn, Königswinter und Bad Honnef, diese Mittel für die Wahrnehmung zumindest ihrer Verkehrssicherungspflicht aufbringen können. Die Vorstellung, für das Betreten des Ölberges oder eine Laufrunde, einen Spaziergang etc. Eintritt in den Nationalpark zu zahlen, sei völlig absurd. Bleibt die Finanzierung aus Mitteln, die eben nur Gebiete mit dem Status des Nationalparkes bekommen. Außerdem sei die Einrichtung von speziellen erlebnispädagogischen Einrichtungen wie z. B. einem "Baumwipfelpfad", wie ihn Bürgermeister Wirtz beschrieb, im Nationalpark eher rechtlich möglich als im Naturschutzgebiet. Ob der mögliche Ausbau der Wanderwege zu behindertengerechten Pisten, laut VVS- Geschäftsführer Losem, machbar und sinnvoll ist, steht zur Diskussion.
Hier wird zum ersten mal in der Debatte um die Umgestaltung des Siebengebirges offenbar, daß der erweiterte Schutz der Natur keinesfalls zum Nulltarif zu haben ist. Gelder sind dringend zur Erhaltung und naturgerechten Umbaues des Siebengebirges erforderlich. Das hat dann auch nichts zu tun mit der Abschöpfung von Mitteln der öffentlichen Hand.
Ein brennendes Problem war für viele Zuhörer allerdings  die geplante Wegelenkung. Hier stellte sich dann aber das Thema zweifach dar. Zum Einen zieht der geplante Nationalpark aufgrund der dargestellten Qualitäten mehr Besucher an, als bisher. Allerdings sehen selbst die Befürworter die Zahlen eher maßvoll. Aber auch schon der jetzige Verkehrsstrom gibt jetzt schon Anlass zur Sorge und bedarf einer sorgfältigen Lenkung . Speziell an den Wochenenden mit schönem Wetter, so Herr Zimmermann vom Rhein-Sieg Kreis, sollen die Touristen mit intelligenten Systemen nicht nur auf die Margarethehöhe gelenkt werden. Ob das evtl. mit Shuttlebussen, wie in der Eifel, geschehen könne, sei zu prüfen.
Ein zweiter Plan betrifft das vielzitierte Wegelenkungs-Konzept. Das ist völlig losgelöst vom Nationalpark zu sehen. Hier ist der VVS als Naturparkträger schon seit längerer Zeit tätig, um die bestehenden Bestimmungen des Naturschutzes umzusetzen. Es ist bisher schon verbindlich geltende Rechtslage, dass z.B. Waldflächen abseits der Wege nicht betreten werden dürfen, dass nur freigegebene Wege begangen werden dürfen, Hunde nicht freilaufen können, usw. Nur fehlte es bisher an der exakten Umsetzung und daher wurde bisher das Betreten so manches Weges toleriert, der eigentlich nur "gewohnheitsrechtlich" entstanden ist. Das Wegekonzept sieht nun vor, alle Wege im Siebengebirge zu erfassen, in ihrer Wertigkeit zu katalogisieren und dann evtl. das Wegenetz dort zu bereinigen, wo es zu Problemen kommt.
Bürgermeister Peter Wirtz

Nicht so schlimm: Es bleiben genügend Wege übrig: Bürgermeister Wirtz

Nach Aussagen von Bürgermeister Peter Wirtz wird es nicht so schlimm sein, wenn bei der Vielzahl der benutzbaren Wege einige eingezogen würden. Die Anfrage von Peter Karall, dem Vorsitzenden des Stadtsportbundes Königswinter, wie sich sie Situation für die Sportler im Siebengebirge darstellen werde, konnte leider nicht mehr zufriedenstellend beantwortet werden, weil die entsprechenden Fachleute schon das Forum verlassen hatten. Vielleicht haken die Sportler hier noch einmal nach.

Die Bürgeranhörung konnte nicht alle Fragen abschließend beantworten. Nach Auskunft von Hubert Kofferath von der Stadtverwaltung werden alle Argumente, die vorgebracht wurden, notiert und werden den Arbeitskreisen, die sich weiterhin mit den verschiedenen Themen befassen, vorgelegt. Er lud alle Bürger ausdrücklich dazu ein, ihre Anregungen den Ansprechpartnern bei den Kommunen, dem Kreis und auf den Foren und Plattformen im Internet einzubringen. Die entsprechenden Seiten seien auf den Internetauftritten der Kommunen verlinkt. Nach Kofferaths Planung werde es voraussichtlich im Januar 2008 eine weitere Bürgerversammlung geben.
Chris Harraß