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Chris Harraß

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Königswinter-Bergregion

 Berichte zu interessanten Themen rund um den Ölberg Mai 2008 Redaktion:Christian Harraß                   Mail an die Redaktion

Sport in den Sieben Bergen

5. Königswinterer Drachenlauf 2006   -   ein emotionaler Laufbericht
  
Was für ein Lauf! Mein dritter Drache in Folge, da war die Aufregung schon etwas geringer als bei den ersten Runs. Schon beim morgendlichen Wettertest beste Laufbedingungen diagnostiziert, konnte der Tag nur gut werden. Beim Startplatz am Thomasberger Bauamt reges Gewusel wie immer, tolle Stimmung, nette Gespräche und gute Wünsche, heute aber als Besonderheit mit zahlreichen Kindern durchmischt.

Zum ersten Mal gab`s einen Kinder-Drachenlauf. 1600 Meter rund um den Limperichsberg hatten die flinken, ca. 80 Päns zu schaffen. Echtes Rennfeeling am Start mit jeder Menge Aufregung für die Joungster, betreut von ihren Trainern. Tosender Beifall der zuschauenden Eltern und Sportler nach dem Start. Nach 5:50 rannte Stephan Oliver von der SSG Königswinter als Erster durch das Flatterband, bei 10:30 der Schlussläufer, eskortiert vom „Turbo-Besen“. Schön zu erleben, dass vom Anfang des Rennens bis zum Ende der Applaus und die Anfeuerungsrufe anhielt. Sehr sportlich und eine schöne Motivation für unseren Läufernachwuchs.

Jetzt hatte ich mit den zahlreich vertretenen Läufern des Lauftreffs aus dem Siebengebirge schon einen guten Vorgeschmack bekommen, welche gute Rennstimmung heute herrschte, um 11:00Uhr knallte die Pistole für den 5. Drachen mit nun exakt vermessenen 25,67 km und 900 Höhenmetern. Rund 500 mehr oder weniger gut durch die gemeinsame Gymnastik aufgewärmte Verrückte drängelten sich durch Thomasberg zur ersten „Bergprüfung“ auf den Ölberg. Wie üblich, war für mich hier Gehen  die angesagte Fortbewegung. Für mich hat sich diese Taktik letztendlich bewährt, steile Berge pulsschonend zu gehen und die langen abschüssigen Strecken raumgreifend unter meine langen Beine zu nehmen. Für mein Training bevorzuge ich eher ein möglichst gleichmäßiges Tempo. Der erste lange Abstieg vom Dach des Siebengebirges bis in die Niederungen der Seufzerbrücke verlief mit vorsichtigem Bergab-Speed problemlos.
 

Bergregion hautnah: Redakteur Chris Harraß mitten im Feld und noch fit am Erdmannsweg...


Hinter der Brücke, wo es den ewig langen Anstieg zur Löwenburg hochgeht, feuerte Streckenposten Ilona mit Samba Rhythmen (hat sie vom Köln-Marathon gelernt) aus der Konserve die Dahinstürmenden an. Bis zur Hälfte den Anstieg gelaufen, dann ein wenig gelatscht, am Rundweg wieder angetrabt, um am Nasseplatz den knüppelingen Wildwaldweg in Richtung Löwenburg wieder im Schritt zu bezwingen. An der Verpflegung vor der Löwenburg hab ich dann mal kurz verschnauft, es kam ja noch was auf mich zu. Hoch auf die Burg auf der steilen und unwegsamen Serpentine, auf der fast alle Läufer wieder langsam einen Fuß vor den andern setzten. Hier gab es zwischendurch einen kleinen Zufallsplausch (Ihr wisst, ich mag das!) über Läufe in Stolberg, Monschau und weiß nicht mehr... Etwas blöd ist immer die Kehrrunde auf der Burg, auf dem Abstieg kurz ziemliches Gedränge mit hochlaufenden Sportlern und ignoranten Wanderern (Liebe Wanderer und Sonntagsspaziergänger: wenn Ihr Hunderte von Läufern mit Startnummer auf dem Bauch auf Eurem Weg seht, könnte es sich um einen Wettkampf handeln. Die Sportler sind vollgepumpt mit Testosteron und halbblind vom Schweiß. Nehmt bitte ein klein wenig Rücksicht und rammt ihnen nicht auch noch Eure Klapperstöcke in die Schienbeine...).
Nach der Löwenburg der lange, schnelle Weg zum Drachenfels. Hier ließ ich meine Beine fliegen, am Milchhäuschen von handklappernden Fans aufgemuntert. Das historische Pflaster auf dem Eselweg verlangte jetzt schon gesteigerte Aufmerksamkeit, ein Knickfuß wäre jetzt unangenehm. Am Drachenfuß noch mal Cola, Wasser und Banane getankt, dann auf den höchsten Holland-Berg und kurz für Sekunden den Blick auf das Rheintal genossen. Von hier ab ging es heftig bergab durch Massen von Bergwanderern. Unter der Zahnradbahn durch, und dann scharf links in den Absturz in`s Nachtigallental. Irgend ein Wegebauspezi hat auf einer Länge von gut 10 steilen Metern gefährlich schlüpfrigen Rollkies eingebaut - eine Zumutung nicht nur für Läufer! Im Nachtigallental konnte ich noch einmal gut Tempo machen, keine Krämpfe fühlend, wie in den Vorjahren, bis nach der Wasserpause bei den Tennisplätzen im Tal der Bittweg auf den Petersberg unbarmherzig ins Blickfeld rückte. Keine Chance für mich, hier laufend hochzukommen, also bin ich besser gleich nach der Eingangstreppe in den langen Wanderschritt verfallen. Hin und wieder erwischte ich meine Hände dabei, wie sie sich unterstützend auf meine Oberschenkel legten. Ich hatte ja auch über 20 Kilometer auf den Hacken. Irgendwie hatte ich, wie in jedem Jahr, das Gefühl, dass der Petersberg immer ein Stückchen höher wird. Vielleicht lag`s ja an der neuen, amtlichen Vermessung?! Kurz vor dem Gipfel war die Kraft dann bald zu Ende, als mich mein Filius auf die digitale Platte bannte. (Nach Durchsicht der Fotos sahen meine Mitstreiter zum Teil auch nicht besser aus...).  .

am Bittweg fast am Ende...

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Letztlich hab ich dann die Champagner-Lounge des Drachen erreicht und – auf den bösen Alkohol verzichtet! Zu oft hat mich der Schampus um die letzten Kraftreserven gebracht. Nur ein winziger Aufenthalt an diesem sonst sehr lauschigen Platz, dann zügig den alten Kutschenweg und später dann so schnell wie möglich den sanft abfallenden Weg  in Richtung Einkehrhäuschen. Zart, ja wirklich ganz zart, meldete sich meine Oberschenkelmuskulatur, was ich durch leichte Temporeduzierung und veränderte Lauftechnik gut kompensieren konnte. Dadurch gelang es mir, einen lästigen M55er am kleinen Aufstieg vor der Gaststätte zu überholen, um mit (mir unverständlicherweise noch vorhandenem) Schwung über die Wiesenwege an Heisterbacherrott und Gut Buschhof vorbei zu fliegen. Hier kommt doch eben jener Konkurrent an mir bergab vorbei, den ich eben eingesammelt hatte. Da er mir aber vorher irgendwann erzählte, dass das sein erster Drachen sei und er sich hier nicht auskenne, nutzte ich diese Unkenntnis schamlos aus, als es in Thomasberg noch mal einen kleinen, 100 Meter langen, Berg zu laufen galt, den er nicht kannte und sich deshalb mental verabschiedete. Als ich dann einfach einen Angriff versuchte und der grandios gelang (was mich nun doch wunderte, den ansonsten fühlte ich ziemlich kaputt), war der Platz in der Altersklasse für mich bestimmt.  
  
 

... kurz vor dem Ziel jedoch erneut beschwingt


 
Jetzt noch einige hundert Meter durchs Dorf und mit einer Horde Nachbarskinder im Schlepptau bog ich auf die Zielgerade ein und huschte mit 2:45:50 durch den Zieltrichter. Unglaublich! Neue persönliche Bestleistung und 15 Minuten schneller als im Vorjahr. Jetzt erst mal an die Getränke, dann ein wenig frisch machen , ein warmes Süppchen und ein leckeres Umsonstbier (Allolfrei!). Irgendwie scheinen viele Läufer heute gute Zeiten gelaufen zu haben, war´s das ideale Wetter oder die tolle Stimmung? Es war einfach „der Drachen“ da läuft es sich fast wie von selbst... Danke Ihr tollen Orgas und Danke Ihr phantastischen Helfer, ihr Trommler, alle, die Ihr uns diesen schönen Lauf möglich gemacht habt. Nächstes Jahr sind wir dann alle wieder zusammen!

Chris Harraß,

Fotos: Jonas Harraß / Klaus Schneider(1)


mehr Infos: www.drachenlauf.de