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 Berichte zu interessanten Themen rund um den Ölberg Mai 2008 Redaktion:Christian Harraß                   Mail an die Redaktion

Info Nationalpark

Nationalpark Siebengebirge:

Wegeplan-Entwurf sorgt für erhebliche Aufregung

 18.Feb. 08

Plan enthält auch für Eingeweihte die eine oder andere Überraschung - Ursache des Problems ist das dürftige Kartenmaterial

Von Hansjürgen Melzer

Siebengebirge. Die Aufregung ist groß. Seit Herbert Krämer, Vorsitzender des Verschönerungsverein für das Siebengebirge, am vergangenen Donnerstag bei der öffentlichen Informationsveranstaltung im Bad Honnefer Kurhaus den Wegenetzentwurf für den geplanten Nationalpark Siebengebirge vorstellte, fürchten Wanderer, Jogger, Mountainbiker und Reiter um ihre Lieblingswege.
 Fakt ist: Rund 50 Kilometer des bisher 246 Kilometer langen Netzes von Wanderwegen durch das Siebengebirge sollen wegfallen, um den Prozessschutz bestimmter Flächen zu gewährleisten. "Aber von welchem Wegenetz?", fragt Krämer.
Das Problem ist, dass das Kartenmaterial für das zweitälteste Naturschutzgebiet in Deutschland (seit 1923) nach der Lüneburger Heide äußerst dürftig ist. So gibt es eine offizielle Wanderkarte des Landesvermessungsamtes aus dem Jahr 2005 (Maßstab 1:25 000) und eine Karte für die Forstverwaltung mit Forst- und Rückewegen. In beiden Karten sind jedoch manche Wege und Pfade nicht enthalten.

"Wir haben ein großes Defizit beim Kartenmaterial. Bürger kommen zu uns und sagen: »In den Karten fehlen Wege, die wir jeden Tag gehen«", berichtet Krämer. Eigentlich würde für den Fortgang der Diskussion eine genauere Karte benötigt. "Aber wer soll die bezahlen?", fragt er.
In dem jetzt vorliegenden Entwurf wurden dabei bereits über 150 Änderungswünsche von Interessengruppen eingearbeitet. Eine Arbeitsgruppe, der 80 Personen, darunter Naturschützer und Nutzer, angehörten, hat sich in zahlreichen Sitzungen mit dem Thema auseinandergesetzt, um einen Kompromiss zwischen den Forderungen und Wünschen beider Seiten zu suchen.

Am Ende beauftragte man das begleitende Hamburger Landschaftsarchitekturbüro "arbos", Entwürfe für eine Wanderkarte, eine Radwanderkarte und eine Reitwegekarte zu erstellen. Doch besonders die jetzt vorliegende Wanderkarte sorgt für Erstaunen.
Dort findet sich beispielsweise zwischen den beiden Hauptrouten, von denen eine von der Margarethenhöhe vorbei am Milchhäuschen nach Königswinter und die andere über die Löwenburger Straße zum Löwenburger Hof nach Rhöndorf führt, nicht ein einziger Verbindungsweg für "Fußgänger", während diese Möglichkeit für Reiter und Radwanderer besteht.
Es gibt jedoch noch eine zweite, inoffizielle Karte mit so genannten "Sonstigen Wegen", die - wenn es den Nationalpark einmal geben sollte - nicht beworben werden sollen. Das heißt: Ortskundigen stehen diese Wege weiter zur Verfügung, auf Wanderkarten oder Wandertafeln für Nationalpark-Besucher werden sie jedoch nicht auftauchen.
Im erwähnten Fall wäre dies besonders bedauerlich, da den Gästen des Siebengebirges der "Dreiseenblick" vorenthalten bliebe. So nennt der Volksmund die beeindruckende Aussicht von der Schutzhütte am Lohrberg-Rundweg ins Rheintal. Der Wanderer kann den Strom hier gleich an drei Stellen erblicken.
Selbst Krämer und sein Geschäftsführer Herbert Losem sind überrascht, dass dieser Weg bei den offiziellen Wanderwegen fehlt. Auch über den "Wasserfallweg", nördlich und hoch über der Landesstraße 331 gelegen, sei noch nicht das letzte Wort gesprochen. Die Naturschützer wollen ihn komplett aus dem Wegeplan streichen, weil er sich in einer Prozessschutzzone befindet. "Es gibt jedoch mehrere Vorschläge, den Wasserfallweg wieder aufzunehmen", so Krämer. Bei Wanderern und Läufern ist der Pfad gleichermaßen beliebt.
Überhaupt verweisen die VVS-Vertreter auf die jetzt ja erst beginnende zweite Diskussionsrunde, zu der alle Bürger ausdrücklich eingeladen seien. "Diese Phase ist offen für alle, die Wege erhalten wollen, aber natürlich auch für die Naturschützer", betont Krämer. "Die Bürger sollen sich melden und konkret sagen: »Diesen Weg wollen wir erhalten«", fordert er zur Beteiligung auf.
Längst getan haben dies Verbandsvertreter wie der Niederdollendorfer Reinhard Becker, der Koordinator der Heimat- und Geschichtsvereine im Siebengebirge, oder der Heisterbacherrotter Elmar Heinen vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege, die inzwischen seitenlang Wege aufgelistet haben, die nach ihrer Meinung auch in einem Nationalpark Bestand haben sollten.
So fordert Heinen die Neuaufnahme eines Pfades unterhalb des Drachenfelses in den Wegeplan. Dieser führt an den Felsblöcken des eiszeitlichen Rüdenet-Stromes vorbei und ist bislang noch in keiner Karte
Bei den Reitwanderwegen weist der Entwurf laut Krämer sogar einige Verbesserungen gegenüber dem Ist-Zustand auf. Sieben Wege wurden gestrichen, dafür 15 neu aufgenommen. "Alle Reiterhöfe von Heisterbacherrott bis Aegidienberg sind im neuen Plan an das Wegenetz angeschlossen worden", so der VVS-Vorsitzende.
Schlechter wird es dagegen Radfahrern ergehen. Die Beschränkung auf 2,50 Meter breite Wege, die schon in der bisherigen Naturschutzverordnung steht, gibt es zwar bereits, in einem Nationalpark wird sie jedoch auch kontrolliert werden. Auch wilde Wege, die sich Mountainbiker selbst gebahnt haben, wie am Löwenburger Hof Richtung Lohrberg, wird es dort definitiv nicht mehr geben.
Krämer rechnet damit, dass das Wegenetz bis Mitte 2009 steht: "Wenn die Nationalpark-Verwaltung ihre Arbeit aufnimmt, muss das Wegenetz Beschlusslage sein. Aber auch danach wird es dynamisch und in der Diskussion bleiben. Als Bestandteil des Nationalpark-Plans bedarf es der Zustimmung des Zweckverbandes und wird ständig in den angeschlossenen Städten beraten."
 


Kommentar von Chris Harraß, Bergregion-Aktuell

Man reibt sich schon verwundert die Augen: Da wird in Ausschüssen wochenlang an Wegeplänen gewerkelt, Wanderer, Läufer, Reiter, Mountainbiker und andere Naturliebende bringen Vorschläge ein, zeichnen ihre Strecken in Landkarten, geben das alles wie erbeten zu treuen Händen beim VVS zur weiteren Planung ab und finden Wochen später in dem von den hamburger Landschaftsarchitekturbüro Arbos vorgelegten Wegekonzept fast nichts wieder. Auch die gegebene Zusage des VVS, alle Laufveranstaltungen im Siebengebirge hätten Bestand, wurde nicht eingehalten. Wichtige Teile des Drachenlaufes und des Siebengebirgs-Marathons sind einfach gesperrt markiert. Einigen Kartenerstellern fiel schon auf, das diese Firma, die immerhin eine stattliche Summe dafür einstreicht, offenbar nicht in der Lage war, eine digital erstellte Karte des deutschen Standardwerkes TOP50 zu lesen.

Drachenlauf bald ohne den Weg über den “Wasserfall”? Mit kompetenter Planung  ist das zu vermeiden. Foto: Jonas Harraß


Die Frage drängt sich nun auf, ob die Damen und Herren aus Hamburg jemals das Siebengebirge durchwandert, durchlaufen, geritten oder sonstwie “erfahren” haben. Mit den Nutzern über ihre Wege gesprochen haben sie offenbar zu keiner Zeit. Wenn der VVS nur über eine veraltete Karte als Wanderkarte verfügt, wieso kauft man sich nicht für ein paar Euro eine neue? Auf jeder topografischen Karte 1:25000 sind die aktuellen Wege verzeichnet. Klar, daß eine “Wanderkarte” nicht regelmäßig neu aufgelegt wird. Die kleine Investition wäre bei einem so dicken Brocken wie der Wegeplanung für den geplanten Nationalpark gut angelegt. Hoffentlich kommt niemand auf die Idee, da würde ein System zur Vertuschung hinter stecken: Wenn nämlich offensichtlich würde, daß die geforderte “Bürgerbeteiligung” durch schluderige Arbeit ad absurdum geführt werden würde, sollten sich die entscheidenden Stellen über heftigen Gegenwind nicht wundern.
Auch wenn ein leibhaftiger Staatssekretär stets betont, ohne die Bürger werde es einen Nationalpark nicht geben, so sollten die Bürger aber nicht nur beteiligt werden, man muß sie auch ernst nehmen.