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Glosse Land arken
Kennen Sie das- da kommen Sie über die Autobahn aus dem Urlaub, haben den Taunus durchquert und sehen dann am Horizont einen grauen Kegel mit einem roten Punkt obenauf: Heimat-Ölberg- Zuhause! Ohne den markanten Farbklecks am Himmel würden Sie womöglich erst am Stau im Heumarer Dreieck merken, dass Sie am Siebengebirge vorbeigerauscht sind. Diese Gefahr scheint nun gebannt, seit ein neuer, gelber Fixstern den Reisenden aus fernen Ländern bei Ittenbach mit dem großen „M“ den Weg in die sieben Berge weist. Und das von so weit her, dass die reisenden Wagenlenker gemächlich den Bleifuß vom Gas und die Hand an den Schaltknüppel bewegen können. Der Magen kann sich in einem pawlow`schen Reflex auf die nahenden Bratklopse einstellen. Nach der Ausfahrt erst mal Umsehen. Im Kreisel geben sieben Kunstbögen Gewissheit: Sieben Berge sind nicht weit. Irgendwie haben die Biegungen der Kreiselkunst was mit den Wölbungen des gelben Gegenstücks hoch oben auf dem Mast gemeinsam. Gewissermaßen die Landmarke „Zweigebirge“ ?! Vielleicht hätte man die Kreiselkunst auf den Pfahl und das zweibögige M auf die Ittenbach-Rundfahrt setzen sollen- aber, wer den Kreis bezahlt, bestimmt, was draufsteht... Eigentlich genial: ungeahnte Ressourcen tun sich für die Stadt auf, wenn das Schule macht. Der Ölberg grüßt mit dem magenta „T“ und beschert dem Talbereich den kostenlosen DSL-Zugang.
Das edle „S“ lockt Gäste auf den Petersberg, die nun die wiederauferstandene Zahnradbahn in Anspruch nehmen können, dank großer Werbetafeln im Stile Hollywoods in den Weinbergen der Stadt boomen die vereinigten Winzer und finanzieren die Ortsumgehung Oberdollendorf. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen, wo Werbung ist, kommt Geld, kommt Wohlstand. Wer nun Bedenken aus optischen Gründen anmeldet, sieht die Welt vielleicht zu eng. Gefragt ist das, was schillert, Qualität ist da doch nachrangig. Auch wenn das landschaftliche Kleinod dann zur „shopping-Mall” verkommt. Dann nützt kein „Zweigebirge“ und kein roter Punkt auf grauem Strich- man rauscht vorbei und findet sich in Heumar wieder.
Chris Harraß
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