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Für das Bonner Schwurgericht hat der 25-jährige Zdenek H. ganz besonders schwere Schuld auf sich geladen - "Er tötete das Mädchen mit ungeheurer Brutalität - Familie wird noch sehr lange unter der Tat leiden" Von Rita Klein
Bonn. Es ist der Tag des Urteils im Prozess gegen Hannahs Mörder. Und viele Menschen, mehr als an den beiden Prozesstagen zuvor, sind schon früh ins Bonner Landgericht gekommen, um zu erleben, wie der 25-jährige Zdenek H. mittags um 12 Uhr seine Strafe erhält.
Dann wird der Gerichtssaal geöffnet, die Zuschauer drängen hinein, doch die 78 Plätze reichen nicht für alle. Einige Dutzend müssen draußen bleiben, und während sich vor der Tür Unmut breit macht, steht der Angeklagte erneut im Blitzlichtgewitter der Fotografen. Als das Schwurgericht schließlich Einzug hält, steht er mit gesenktem Kopf neben seinem Verteidiger. Seine Hände hat er gefaltet, als Schwurgerichtsvorsitzender Udo Buhren das Urteil der Kammer verkündet: Der Angeklagte wird wegen schwerer Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Mordes zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt. Und, so stellt der Richter fest: "Seine Schuld wiegt besonders schwer." Kein Laut ist zu hören aus dem Publikum, als Richter Buhren beginnt, das Urteil zu begründen - und noch einmal die Bilder einer Tat heraufbeschwört, die die Menschen nach wie vor erschüttert. Zdenek H. sitzt mit versteinerter Miene, den Kopf noch immer gesenkt, auf der Anklagebank und hört als erstes, wie der Richter das Bild seines Lebens nachzeichnet: Zdenek H. wächst als ältestes von drei Kinder und als einziger Sohn der Familie in einem kleinen Ort in der Slowakei auf. Die Landwirtschaft bestimmt das Leben, alles ist geregelt - sowie leb- und lieblos. Dann bemerkt Zdenek H. seine homosexuelle Neigung, und als er im Alter von 18 Jahren auch noch zwei Schachteln Zigaretten stiehlt, läuft er aus Scham weg und landet in Prag in der Stricherszene.
Nach wenigen Monaten lernt er in einer Bar einen Touristen aus Königswinter-Oberdollendorf kennen. Der 28 Jahre ältere Mann weiß, was er will, und als ihm von einem Bekannten versichert wird, Zdenek H. sei der Richtige für seine Bedürfnisse, nimmt er den 18-Jährigen mit nach Hause. Und der lebt in den folgenden sieben Jahren bis zur Tat nicht nur in finanzieller Abhängigkeit von einem Mann, für den Homosexualität eine Ideologie ist. Und der von "Schweinerei" spricht, als er in Zdeneks Zimmer Hefte mit nackten Frauen findet. Denn irgendwann fängt der an, auch an Frauen zu denken. "Der Wunsch, mit einer Frau sexuell zu verkehren, verfestigte sich", stellt Richter Buhren fest, "und dabei hatte er auch Gewaltphantasien." Als Zdenek H. schließlich einen Fernsehfilm mit der Entführung und Vergewaltigung eines Mädchens sieht, lassen ihn diese Bilder nicht mehr los. Und bringen ihn am Abend des 29. August dazu, ein Mädchen in seine Gewalt bringen zu wollen. Und das erste Mädchen, das er sieht, ist Hannah. Es hätte, so erklärt er später, auch jede andere sein können. Er hatte sich vorbereitet, aus einem Container auf dem Autohof an der Oberkasseler Straße, auf dem er die Busse reinigt, Klebeband und Kabelbinder geholt, und als Hannah ihm entgegenkommt, packt er sie und hält ihr sein Messer an den Hals. Sie weinte und flehte ihn an: "Lass mich gehen, meine Mama wartet." Es sei, so Buhren, das letzte gewesen, was Hannah gesagt habe. Denn dann verklebte er ihr den Mund, bis er sie tötete - fast vier Stunden später. So lange ist sie in seiner Gewalt, wird von ihm bedroht, in einem Bus vergewaltigt, muss gefesselt und geknebelt neben ihm sitzen, während er, so der Richter, hin und her überlegt, was er nun tun soll. Dann bringt er sie aus dem Bus, es ist mittlerweile nach Mitternacht.
Draußen sieht Hannah ihn an, und er sticht zu, so lange, bis das Mädchen tot ist. Er schleppt sie eine Böschung hoch, bedeckt sie mit Ästen und gießt Diesel auf die Tote, um den Leichengeruch zu übertünchen. Er wäscht sich, geht nach Hause und schweigt. Aber in den folgenden Tagen ist ihm schlecht, so schlecht, dass er sich übergeben muss und nicht arbeiten kann. Die Bilder, so sagt er später dem Gutachter, lassen ihn seitdem nicht mehr los. Am 3. September wird Hannahs Leiche gefunden. Und, so Richter Buhren: Eine ganze Region war erschüttert, und Angst machte sich breit. "Eltern ließen ihre Kinder nicht mehr allein auf die Straße." Noch einmal schildert der Richter die Tage nach der Entdeckung, die gründliche Ermittlungsarbeit der Polizei, die Suche der Mitschüler und die Hilfe der Bevölkerung, bis Zdenek H. durch seine Speichelprobe am 12. September gefasst wird und die Tat gesteht. "Seitdem hat er immer wieder beteuert, es tue ihm leid", sagt der Richter. Und: "Er hat bisher keine Erklärung für seine Tat." Eine Tat, so der Richter, die nicht nur Hannahs Leben, sondern auch das ihrer Familie zerstört habe, wie der Vater im Zeugenstand eindrucksvoll geschildert habe. "Hannahs Eltern und ihre Schwestern leiden sehr, vor allem seitdem sie wissen, wie Hannah gestorben ist und wie sie leiden musste. Alpträume und Ängste lassen die beiden Schwestern nicht mehr schlafen."
Der Kammer vermittelte Zdenek H. "das Bild einer wenig gereiften Persönlichkeit, deren sexuelle Identität trotz seiner 25 Jahre noch nicht gefestigt" scheine "Das mag die Tat begünstigt haben", so der Richter. Aber auch wenn Geständnis und Reue für den Angeklagten sprächen, so gehe die Schuld, die er auf sich geladen habe, weit über das übliche Maß eines "normalen Mordes" hinaus. Fast vier Stunden sei das Mädchen in seiner Gewalt gewesen - voller Angst, was mit ihr geschehe. "Und dann tötete er sie mit einer ungeheuren Brutalität, ein Mädchen, das fast noch ein Kind war. Die Familie wird noch sehr lange unter der Tat leiden", ist der Richter sicher. Ein Fall für die Sicherungsverwahrung sei der Angeklagte jedoch nicht, so Buhren. Da sei die Kammer einer Meinung mit dem psychiatrischen Gutachter, der beim Angeklagten keinen Hang zu Gewalttaten festgestellt habe. Dann ist der Prozess vorbei. Die Zuschauer verlassen den Saal, Verteidiger Uwe Krechel kündigt Revision an, und die Anwältin von Hannahs Familie, Gudrun Roth, spricht aus, was nicht nur die Angehörigen nach dem Urteil denken: "Keine Strafe der Welt kann Hannah zurückbringen."
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