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Zwei Läden in Oberpleis und Thomasberg machen von den neuen Regeln schon Gebrauch - Vor allem Berufstätige nutzen die erweiterte Öffnungszeit bis 22 Uhr und haben zeitweise den Supermarkt für sich allein
Von Uta Effern-Salhoub
Königswinter. Johannes Pöltl und Michael Schlösser haben den Thomasberger Rewe-Markt am Mittwochabend fast ganz für sich alleine. Und sie genießen es: In aller Ruhe schlendern sie durch den menschenleeren Supermarkt und suchen sich Äpfel, Salat und frische Milch aus. "Wir sind eben erst nach Hause gekommen", erzählen der 23-jährige Finanzberater und der 22-jährige städtische Angestellte. Und da gähnte ihnen die Leere im Kühlschrank entgegen. Gut, dass man solche Versorgungsengpässe in Thomasberg jetzt bis 22 Uhr beheben kann, meinen die beiden jungen Männer. Sie sind ganz angetan vom Einkauf in dunkler Nacht, der seit Dienstag möglich ist: "Wenn das bis drei Uhr morgens angeboten würde, würde ich es auch ausnutzen", sagt Pöltl. Nur ein Vorteil aus seiner Sicht: "Man steht nicht an. Und es ist mal etwas anderes, ein Erlebnis." Die weitaus meisten Thomasberger ziehen es an diesem Herbstabend aber wohl vor, es sich zu Hause gemütlich zu machen. Oder sie wissen noch nichts von dem neuen Angebot. Nicht nur der hellerleuchtete Markt, auch der große Parkplatz ist gegen 21 Uhr bis auf einige wenige Fahrzeuge fast wie leergefegt. Doch immer wieder schimmern vereinzelt Autoscheinwerfer auf. Die nächsten Berufstätigen schneien herein: "Wir kommen gerade beide von der Arbeit und ich habe noch große Lust auf ein Brot mit Blutwurst", gesteht Nicole Holzhausen (21) offen. Sie und ihr Freund Axel Gesell (31) betreiben einen griechischen Imbiss in Heisterbacherrott und sind seit morgens im Einsatz. Tagsüber bleibt ihnen nicht viel Zeit für ihr eigenes leibliches Wohl. Umso erfreuter sind die beiden, den Supermarkt nun erstmals zu dieser Zeit offen vorzufinden.
Außer dem ersehnten Ring Blutwurst erstehen sie noch einen ganzen Karton Joghurt und entschwinden mit ihren Erwerbungen gegen 21.15 Uhr zufrieden in die Nacht. Bald gefolgt von Ariane Kay (35) aus Thomasberg, die als erstes zielstrebig aufs Kosmetikregal zuläuft und sich ein Fläschchen Nagellack schnappt.
Doch das ist nicht alles: "Mein Mann und ich haben lange diskutiert, ob wir uns noch ein Gute-Abend-Bierchen gönnen." Einige Flaschen Gerstensaft müssen also auch noch her, "ich wäre sonst zur Tankstelle gefahren". Schließlich trieb aber auch die Neugierde die zweifache Mutter und Angestellte aus dem Haus: "Das muss ich mir ansehen - bis 22 Uhr!"
Sie genießt es, ohne ihre zwei und vier Jahren alten Sprösslinge in dem Laden zu stöbern. Ihr Mann hütet jetzt die schlafenden Kinder. Der Abstecher macht Spaß, auch wenn er nur kurz ist: "Mit den beiden einzukaufen ist mitunter anstrengender, als das alleine zu machen."
Weder quengelnde Kinder, noch lange Warteschlangen, noch ungeduldige Kunden: Ideale Arbeitsbedingungen für Giselheid Engler, sollte man meinen. "Es ist schon eine Umstellung, man muss sich erstmal dran gewöhnen", kommentiert die Kassiererin ihre neue Arbeitszeit. Statt um 13.15 musste sie erst um 15.30 Uhr im Laden sein.
Dafür wird sie aber auch frühestens erst gegen 22.30 Uhr nach Hause nach Aegidienberg fahren können. Sie nimmt es gelassen, zumal es alle Beschäftigten trifft: "Jeder kommt mal dran, das ist der normale Schichtrhythmus." Dass es so ruhig im Laden ist und sie phasenweise mutterseelenalleine an der Kasse sitzt und wartet, wundert Giselheid Engler nicht: "Das muss sich erstmal herumsprechen."
Auch im Oberpleiser Rewemarkt, der ebenso wie der Thomasberger das neue Ladenöffnungsgesetz ab dem ersten Tag umgesetzt hat, ist es am zweiten "22-Uhr-Abend" ausgesprochen ruhig. "Es war nicht viel los", resümiert Marktleiterin Karin Raths. Man konnte die Kunden seit 20 Uhr fast an einer Hand abzählen.
Einer kaufte ein Päckchen Wundpflaster, einer eine Schachtel Pralinen, zwei tätigten einen größeren Einkauf, gegen 21.45 kommen noch ein paar junge Mädchen herein, die Kleinigkeiten kaufen. Ins Schwitzen kommt Kassiererin Elisabeth Salz, seit 14.45 Uhr im Dienst und seit 20.15 Uhr alleine an einer der vier Kassen, deswegen nicht: "Ich bin kein Mensch, der früh ins Bett geht", hat sie mit dem Spätdienst im Prinzip kein Problem.
Zumindest hat sie Zeit für die Kunden, wie für Karin Schneider (36), die gerade von einem Elternabend kommt und für den nächsten Tag noch ein Putzmittel benötigt. Prompt trägt ihr der Einkaufsabstecher noch einen Wunsch ihres Mannes ein, den es nach einem Imbiss gelüstet: "Kannst du mir noch etwas zu essen mitbringen?" Kein Problem, die Salattheke hält noch einiges vor.
Die örtlichen Rewe-Inhaber Wolfgang Bock und Udo Schäfer sind zuversichtlich, dass sich die neuen erweiterten Öffnungszeiten auf Dauer etablieren werden, auch wenn es zunächst schleppend anläuft. Schäfer: "Es ist natürlich die falsche Jahreszeit. Es wäre mir lieber, es würde abends heller, statt immer früher dunkel. Zu Stoßzeiten werden sich die Abendstunden nicht entwickeln, aber ich bin überzeugt, dass es Bevölkerungsgruppen gibt, die diese Zeiten gerne annehmen."
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