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Chris Harraß

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Königswinter-Bergregion

 Berichte zu interessanten Themen rund um den Ölberg Mai 2008 Redaktion:Christian Harraß                   Mail an die Redaktion

Die Vorbereitung des Martinspferdes auf den Martinszug


Wer Pferde sein Eigen nennt und auf dem Dorf wohnt, ist bald bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Wer dazu noch Kinder und diese in der örtlichen Schule untergebracht hat, zieht die pferdebegeisterten Mitmenschen geradezu magisch an. Da bleibt es nicht aus, dass irgendwann sogenannte Ehrendienste per Pferd erbeten werden. In der Herbstzeit ist es dann alle Jahre wieder der Martinsritt.
Die Freude über die erwiesene Ehre ist je nach Temperament mehr oder weniger groß, für den Reiter stellt sich höchstens die Frage, ob er sich in ein Kostüm eines römischen Soldaten zwängen will. Hat er das für sich positiv entschieden, kommt das eigentliche Problem:

Wie bereite ich mein Pferd auf den Martinszug vor?Sankt Martin bei den Kindern
Zwar hat man ein liebes Pferd, nicht gerade einen Schimmel, aber ein echter Kumpel. Im Gelände geht er ja durch Dick und Dünn und Feuer hat er auch schon oft gesehen, wenn Holzreste und Strohkehricht auf seiner Hausweide verbrannt werden, was aber wird er zu den vielen Kindern mit den bunten Fackeln meinen, wie wird ihm die Kapelle, die ja wieder mal mit der dicken Trumm üppig umgeht, gefallen? Und dann das riesengroße Martinsfeuer, so was hat er ja noch nie gesehen!Was soll´s, zugesagt ist zugesagt, die Sache muss geübt werden. Zunächst die Dunkelheit, da gibt es jetzt reichlich Gelegenheit. Der Ausritt am späten Nachmittag reicht bis in die Dämmerung hinein und bietet die erste Gewöhnungsmöglichkeit. Die Strassen und Wege im Ort, die bei Tageslicht so vertraut sind, bergen bei Dunkelheit ungeahnte Überraschungen. Lichter von Häusern und Fahrzeugen blenden, Geräusche kommen aus nicht auszumachenden Ecken. Die Ohren spielen in alle Richtungen, der ganze Kerl ist aufmerksam bis in die Zehen, Unruhe zeigt sich nicht. Eigentlich macht er das ja sehr schön, hier zahlt sich die vertrauensvolle Zusammenarbeit der letzten Zeit aus. Pferd und Reiter schlendern entspannt durch die Nacht. Noch ein-, zweimal üben, dann geht´s an die nächste Lektion.
Das Kostüm des St. Martin ist sehr schön und hat einen langen, wallenden Mantel. Dazu ein Schwert, mit dem dieser Mantel geteilt werden soll. Da das Kostüm noch friedlich in seiner Mottenkugelhülle ruht, muss eine leichte, flatterige Pferdedecke herhalten. Sie wird auf das ungesattelte Pferd gelegt, mit einem Deckengurt befestigt und bei einer kleinen, geführten Runde im Schritt und Trab getestet. Eine Windboe fegt unter das Tuch, hoch weht der Wams, das Pferd trägt´s mit Fassung, hat es wohl schon gekannt. Also kann gesattelt und die Decke als Mantel umgehängt werden; schön hinten weit über die Kruppe. Wenn diese Aktion gelingt, kann der Reiter ja mal eine Mantelteilung wagen. Ein zum Schwert umfunktionierter Knüppel hebt den Mantel an und gleitet geräuschvoll am Saum entlang, worauf das Pferd gelassen stehenbleiben sollte. Schliesslich soll der warme Mantel ja dem Bettler überreicht werden, ein hampelndes Pferd wäre hier fehl am Platze. Damit das Pferd sich nicht gar so vor dem wallenden Gewand fürchtet, zieht der Reiter sich bei Herbstwetter seinen Regenmantel oder Poncho öfters auf dem Pferd aus und an.Problematisch gestaltet sich die Sache mit den Fackeln. Sie tauchen hierzulande eben nur einmal im Jahr auf, wie also stellt man seinem Pferd die geisterhaften Glitzerdinger vor? Die Gelegenheit ergibt sich aber doch bei den Vorbereitungen der Schulkinder auf den Martinszug: dem "Dotzgang" (trad. Bettelgang um Geld für den Martinszug und Süsses für die Kinder, üblich in einigen Gemeinden im Rheinland). Da geht St.Martin mit seinem Pferd natürlich mit ( in Zivil), lernt die Fackeln kennen, macht Bekanntschaft mit den Kindern und trägt den einen oder anderen müden Sammler zurück nach Hause.
Bleibt noch das grosse Feuer. Da gäbe es die Möglichkeit bei anderen Martinsfeuern mitsamt Pferd zuzusehen, wäre nicht der Umstand, dass zwei Pferde, die am Feuer auftauchen, zu erheblichen Verwirrungen beim Publikum führt. So bleibt nichts anderes übrig, als es darauf ankommen zu lassen. Im Vertrauen auf das Zusammenspiel zwischen Pferd und Reiter rückt der Tag des grossen Umzuges näher.

Es wird Ernst
Das Kostüm wird aus dem Fundus geholt und kann schon mal beschnuppert werden. Komisch sieht der Reiter jetzt schon aus, so mit Schwert und Helm und Mantel, die Proberunde abseits der Öffentlichkeit verläuft ohne nennenswerte Komplikationen, lediglich der Reiter muss sich auf etwas eingeschränkte Bewegungsfreiheit einstellen. Vorsichtige Reitweise ist angesagt, da der Helm mit der Bürste zwar ungeheuer schmückt, der Sicherheitsfaktor beim Sturz ist aber mehr als fraglich. Hier ist es Zeit, sich über die Vorsichtsmassnahmen beim Umzug Gedanken zu machen. Die oft gesehene Praxis, Dass ein Helfer das Pferd am kurzen Zügel hält, kann nicht befriedigen, weil die reiterliche Einwirkung dann zu stark beschränkt ist. Immerhin spürt ein erfahrener Reiter früher als ein Begleiter, wann das Pferd sich verspannt und wegzudrücken. versucht. Also werden drei bis vier freundliche junge Damen ( St. Martin mag das!) aus dem benachbarten Reitstall zum Lohne eines Martinsweckens engagiert, um den Platz von St.Martin und seinem Pferd innerhalb des Zuges an den Seiten abzusichern. Ach ja, Pferde in Umzügen werden, wie man hört, immer chemisch beruhigt; was tun? Gibt man ihm eine Dosis, latscht er gemächlich durch den Trubel, wird der Weg aber länger und will St.Martin sich am Feuer reitend zeigen, dann spielt der Kreislauf evtl. nicht mehr mit. Gibt man ihm nichts, nimmt der Reiter in Kauf, dass sein sonst so ruhiger Kamerad ob des leuchtenden und lärmenden Gewusels zumindest in der Abfangszeit schon mal mehr seitwärts als vorwärts geht. Hier entscheidet der Reiter, der sein Pferd und sein Verhältnis zu ihm genau kennen sollte. Merke: Nichts rechtfertigt einen Unfall beim Umzug aufgrund von Selbstüberschätzung!

Der Zug stellt sich auf. Eine halbe Stunde vorher ist St. Martin mit frisch geföntem Pferd und blank geputzten Stiefeln auf seinem Platz am Zugweg. Still stehen sie an einer Ecke wo man gesehen wird und die heranströmenden Massen beobachten kann. Kinder fragen nach dem Namen des Pferdes und ob man es mal streicheln könne und er lässt es sich gefallen. Die vier Eckhelfer schirmen den Schlupfweg hinter dem Pferd ab und lotsen die Kinder an den Kopf. Zur Entspannung reitet St. Martin einige Meter hin und her, beguckt den Polizeiwagen, der nachher mit Blaulicht die Strasse absperren wird. Dann ertönt das erste Bumm Bumm, es geht los.
Schlagartig kommt Unruhe auf, jetzt ist höchste Konzentration erforderlich. Eine Wand von Kindern, Fackeln und Musik kommt auf das Pferd zu.Gut, das da die Nische ist, aus der der Vorbeimarsch des Zuganfanges beobachtet werden kann. Die Helfer öffnen eine Lücke im Zug und langsam reiht sich das Paar ein. Es geht besser als gedacht; mal guckt er rechts, mal dreht er links- soll er doch. Die Abschirmung durch die Helfer funktioniert gut, das Pferd beruhigt sich allmählich, die leichten Hilfen kommen an. Beim ersten Stocken steht er rückwärts und schaut sich das Volk an, dann geht es weiter, die steil abfallende Dorfstrasse beschäftigt ihn. Nach zehn Minuten kann er schon wieder ruhig im Schritt gehen. Sein hoch aufgerichteter Hals und sein aufgeregtes Kauen auf dem Rollerbit lassen ihn würdevoll erscheinen, manch Zuschauer spart nicht mit Komplimenten. Einige Häuserreihen am Dorfrand noch, dann erscheint das schon brennende Martinsfeuer auf dem Sportplatz. Was für ein gewaltiger Haufen!

Sankt Martin vor dem Feuer

Hell lodern die Flammen, die Hitze wird schnell spürbar, Funken wehen auf Ross und Reiter zu, die Helfer bahnen den Weg durch die Menge. Martins Ross ist bass erstaunt ob dieses Flammenspektakels. Die Ohren spielen in Richtung Feuer, die entgegenkommende Hitze ist schon ein Grund zum Fürchten. Langsam wird das Feuer umrundet, zuerst in weiten Kreisen, dann immer enger, bis St. Martin mit seinem mutigen Pferd neben dem Feuer steht und nassgeschwitzt die versammelte Schar anschaut. Der Bettler erscheint und der Mantel wird geteilt, was gar nicht so einfach ist, mit einer Hand. Mittlerweile steht das Ross still beim armen Mann und stört sich auch nicht besonders an dem flatternden Mantelteil, das dem Bettler übergeben wird. Noch eine Runde mit erhobenem Schwert und wehendem Mantel im Trab um das Feuer, dann streicheln die Kinder den braven Fuchs, und das mag er besonders. Immer wieder drängen sie sich zu ihm heran, bis nach einer halben Stunde St.Martin den Heimweg antritt.

Vom Sportplatz die Treppe hinauf zur Strasse, durch den Ort vorbei an heimkehrenden Familien bis zum heimischen Stall. Hier erst mal eindecken und ordentlich abrubbeln, danach zu den anderen Pferden in die frische Box.

Heu, Kraftfutter, Wasser, Ruhe, gute Nacht. Danke, mein Freund!

Christian Harraß, St.Martin in Königswinter
 


Versicherung des Martins-Rittes

 (Quelle: Freizeit im Sattel)


Die Teilnahme an Martinsumzügen oder Laternenmärschen fällt unter das "normale" Halterrisiko des Pferdehalters und ist in der Regel über eine entsprechende Reitpferde-Haftpflicht abgedeckt. Diese umfasst durch das Pferd verursachte Schäden an Gegenständen und anderen Personen. Falls innerhalb der Reitpferde-­Haftpflicht das Fremdreiter-Risiko mitversichert ist, können auch andere Reiter als der Pferdehalter an diesen Umzügen teilnehmen und haben dabei den Versicherungsschutz in vollem Umfang. Die Überlassung des Pferdes an diese Dritten darf jedoch nur unentgeltlich erfolgen.
Auch Schäden an anderen teilnehmenden Pferden sind mit versichert. In der Regel muss sich der geschädigte Pferdehalter unter Umständen jedoch ein Mitverschulden anrechnen lassen, da die teilnehmender. Pferde bei solchen Umzügen meist ohne den erforderlichen Sicherheitsabstand zueinander bewegt werden. Als Mindestabstand wird in der Rechtsprechung je nach Gangart ein Abstand von einer Pferdelänge anerkannt. Für Schäden am eigenen Pferd kann man sich zusätzlich durch eine Tierlebens- und Tierkrankenversicherung absichern. Das ist immer dann geboten, wenn der Veranstalter des Umzuges einen diesbezüglichen Haftungsausschluss ausgeschrieben hat.
Ein Hinweis für Veranstalter:
Nach der Rechtsprechung sind die Veranstalter solcher Umzüge aus organisatorischem Verschulden haftbar. Das heißt: Ein Veranstalter unterliegt der Verschuldenshaftung, da er als Organisator die Verantwortung für die Festlegung der Route, für deren Absicherung, etwa auch für die Absperrung durch Trennbänder trägt. Diese vom Veranstalter einzuhaltende Verkehrssicherungspflicht ist umfänglich und kann auch leicht übersehen werden. Deshalb sollte sich jeder Veranstalter unbedingt diesbezüglich versichern. Achtung: Auch Reiter, die sich zu einem Umzug formieren, befinden sich rechtlich gesehen im Status eines Veranstalters und unterliegen als solcher dann der Verschuldenshaftung. Diese ist jedoch nicht in der Reitpferde-Haftpflicht mit inbegriffen, sondern muss gesondert versichert werden. Empfehlung für alle Reiterlinnen: Erkundigen Sie sich bei Ihrer Versicherung, ob in ihrer "normalen" Reitpferde-Haftpflicht auch die oben genannten Sonderfälle mitversichert sind. Bei der Uelzener ist dieses bei Vorlage einer Reitpferde-Haftpflicht nicht notwendig, da die oben genannten Risiken (das Fremdreiter-Risiko) mitversichert.

Hans-Heinrich von der Kammer; Uelzener Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft
 

 


Was der Veranstalter von Martinszügen wissen sollte !       

Ohne einMindestmaß an Organisation und Sicherheit für Pferd und Reiter geht es nicht!

von Christian Harraß
 

Termin:          
rechtzeitig Termin bekannt geben, Martinsreiter haben manchmal Anfragen aus anderen Gemeinden

Zugplanung:    
Position des Martinsreiters im Zug dem Charakter des Pferdes entsprechend einrichten. Manche Pferde möchten die Musik lieber vor sich haben, manche hinter sich (Absprache mit dem Reiter). Die Position des St Martin ist dem Martinsdarsteller entsprechend mitzuteilen. Am Zugtag ist der St. Martin von kompetenter Person in den Zug einzufädeln.

Zugbegleitung
Der Martin soll von vier erwachsenen Personen im Zug begleitet werden, die einen Freiraum im Zug an vier Ecken absperren. Insbesondere ist auf „durchschlüpfende" Zugteilnehmer (Omas, Kinder mit Rollbrettern u.Ä) zu achten_ Beim Einzug auf den Feuerplatz ist dem Pferd eine sichere Gasse zum Feuer in einen abgesicherten Bereich zu sichern.

Das Feuer:   
So imposant ein riesiges Feuer auch ist, ein kleines Feuer schafft mehr Raum für die Darstellung der Mantelteilung. Die große Hitze eines riesigen Scheiterhaufens bringt Gefahren für Pferd; Reiter und Kostüm mit sich.

Mantelteilung:  
Höhepunkt des Martinszuges ist die Mantelteilung. Um dies für Alle darzustellen, ist eine gute Planung und Inszenierung erforderlich. St.Martin und der Bettler sollen ausreichend Platz bekommen, wo sie gesehen werden. Ein Moderator spricht die Teilnehmer über ein Mikrofon an, Die Musik macht einen Moment Pause, der Moderator kündigt die Mantelteilung an und liest evtl. die Martinsgeschichte vor. Dann wird die Szene durch einen Scheinwerfer beleuchtet und gespielt. Anschließend könnte St Martin eine Rede an dis Kinder und Eltern halten. Danach spielt die Musik das Martinslied etc.

Pferd streicheln
Im Anschluss an die Feierlichkeiten besteht die beliebte Möglichkeit für die Kinder, St.Martin aus der Nähe zu sehen und sein Pferd und streicheln. Dazu sollten die Begleiter den Zustrom der Kinder so kanalisieren, dass die Kinder und Eltern nicht auf das Pferd zustürmen.

Die Begleiter des Pferdes und der Bettler würden sich sicherlich über einen Wecken freuen. St Martin und sein Pferd eine umgehende Entlohnung.

Versicherung: 
Es ist unbedingt genau abzuklären, wieweit St. Martin, sein Pferd und der Martinszug versichert sind. Personenschäden durch das scheuende Pferd können Kosten in unabsehbarer Höhe nach sich ziehen. Schon aus diesem Grund ist eine gute Planung und sichere Begleitung des Pferdes dringend erforderlich.